Auswandererland Schweiz

Schon vor 1800 gab es eine stetige Migration aus der und in die Schweiz. Der Eintritt von Söldnern in fremde Armeen war lange die bedeutendste Form der Auswanderung. Aber erst im 19. Jahrhundert wurde die Schweiz zu einem eigentlichen Auswanderungsland. Viele verliessen die Schweiz wegen der Armut. Auswanderungsagenturen vermittelten sie oft in Schweizerkolonien, das Auswanderungsamt des Bundes überwachte die Emigration.

Auswanderung kontrollieren: Das Auswanderungsamt

Bis in die 1870er-Jahre setzten sich die Bundesbehörden kaum mit der Auswanderung auseinander. Erst mit den grossen Auswanderungswellen der 1880er-Jahre nach Übersee und in europäische Länder begann der Bund, die Auswanderung zu steuern. Zum Schutz der Auswanderinnen und Auswanderer erliess er 1880 ein Gesetz und setzte 1888 ein eidgenössisches Auswanderungsamt (1876-1953) ein, das die Tätigkeit der Auswanderungsagenturen überwachen sollte. Diese Agenturen vermittelten die Emigrantinnen und Emigranten an wirtschaftliche Kolonisationsprojekte, hauptsächlich in Nord- und Südamerika. In der «Auswandererkartei» des Auswanderungsamts sind für die Jahre 1910 bis 1953 die Namen, Geburtsdaten, Heimatorte und die Abreise- und Zielhäfen der Auswanderer verzeichnet. Die Kartei kann an den Arbeitsstationen in den Lesesälen des Schweizerischen Bundesarchivs digital abgerufen werden.

Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vermehrt eingerichteten Auslandsvertretungen des Bundes setzten sich vor allem für die so genannten Schweizerkolonien ein. Die Auswanderung, Kolonisationsprojekte und die Gründung konsularischer Vertretungen sind deshalb historisch eng miteinander verbunden. Die Bestände der Botschaften und Konsulate sind nach den Orten der Niederlassungen geordnet. Die Auslandsvertretungen legten Immatrikulationskarten an oder führten Registraturbücher. In diesen erfassten sie jene Schweizer Bürgerinnen und Bürger, die sich dort anmeldeten. In Einzelfällen wurden Personendossiers angelegt.

Allgemeine Unterlagen zur Auswanderung finden sich in den Beständen des heutigen Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten und seiner Vorläufer. Im Bestand des Bundesamts für Industrie, Gewerbe und Arbeit (1870-1998) sind Unterlagen zum wirtschaftlichen Aspekt der Auswanderung abgelegt.

Schweizerkolonien, Schweizervereine und Wohltätigkeitsgesellschaften

Umfangreichere Unterlagen existieren zu einzelnen Auswanderungsagenturen oder zu Kolonisationsprojekten, etwa zur Kolonie New Switzerland in Tennessee (USA). Personendossiers sind generell die Ausnahme, das gilt insbesondere für die vor 1910 ausgewanderten Schweizerinnen und Schweizer.

Eine Reihe von Organisationen unterstützte Schweizerinnen und Schweizer bei der Auswanderung und bei der Ankunft in der neuen Heimat. Einige haben ihre Archive dem Bundesarchiv übergeben, zum Beispiel der Schweizer Wohltätigkeitsverein in Guatemala-Stadt (1888-1953) oder die Schweizervereine in New York (1882-1955) und Kairo (1870-1989). Dem Justiz- und Polizeidepartement war zudem das Russlandschweizerbüro (1918-1958) unterstellt, das Hilfsaktionen und Heimschaffungen während und nach der Russischen Revolution von 1917 organisierte. Das Büro arbeitete mit der Hilfs- und Kreditorengesellschaft Secrusse (1918-1951) zusammen, die ihre Unterlagen ebenfalls dem Bundesarchiv überlassen hat. Weitere Unterstützungsleistungen sind in den Personendossiers der Eidgenössischen Polizeiabteilung (1841-1991) dokumentiert, beispielsweise zur Auslandschweizerfürsorge oder zu Passangelegenheiten.

Tipps zur weiteren Recherche

  • Historisches Lexikon der Schweiz mit einem Artikel zur Auswanderung.
  • Schweizerisches Wirtschaftsarchiv: Archive einiger Auswanderungsagenturen und Kolonisationsgesellschaften.
  • Archiv für Zeitgeschichte an der ETH Zürich: Privatarchive von Personen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg aus der Schweiz auswanderten.
  • Staatsarchive der Kantone: Diverse Bestände, teilweise mit Unterlagen zur Auswanderung vor 1800.
  • Staatsarchiv Luzern: Im Bestand «Polizeiwesen» Unterlagen zur Auswanderung von Luzerner Bürgerinnen und Bürgern aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie Namensliste von Personen, die im Jahr 1819 nach Brasilien auswanderten; zusätzliche Unterlagen zur Auswanderung im Archivdepot des «Schweizerischen Piusvereins».
  • Staatsarchiv Freiburg: Dokumente über die Freiburgerinnen und Freiburger, die 1819 nach Brasilien auswanderten und dort die Stadt Nova Friburgo gründeten.
  • Basler Mission: Archiv und umfangreiche Fotosammlung über Schweizerinnen und Schweizer, die hauptsächlich in Afrika und Asien in Missionen tätig waren.

Publikationen des Bundesarchivs

Arlettaz, Gérald, L'émigration suisse outre-mer de 1815 à 1920, Studien und Quellen Band 1, hg. vom Schweizerischen Bundesarchiv, Bern 1975, S. 31-92.

Arlettaz, Gérald, «Les suisses de l'étranger» et l'identité nationale, Studien und Quellen Band 1, hg. vom Schweizerischen Bundesarchiv, Bern 1986, S. 5-35.

Schweizerisches Bundesarchiv (Hg.), Die Auslandschweizer im 20. Jahrhundert, Studien und Quellen, Band 28, Bern 2002.

Veyrassat, Béatrice, Les Suisses et la Suisse au Brésil (1817-1930). Le renouvellement des communautés d'affaires ou le recul de l'influence économique de la Suisse française, Studien und Quellen, Band 21, hg. vom Schweizerischen Bundesarchiv, Bern 1995, S. 11-44.

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Letzte Änderung 26.05.2016

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