Einwandererland Schweiz

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Schweiz vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland. Politische Flüchtlinge suchten hier Asyl und die Wirtschaft rekrutierte ausländische Arbeiterinnen und Arbeiter für den ausgetrockneten schweizerischen Arbeitsmarkt. Die Einwanderung hatte wesentliche Auswirkungen auf das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in der Schweiz.

Einwanderung und politisches Asyl 1848-1945

In den 1880er-Jahren begann der Bundesstaat, Flüchtlinge und Einwanderer zu überwachen – er verdächtigte sie der anarchistischen Umtriebe. 1917 schuf der Bund die Fremdenpolizei (1909-1998). Diese Massnahme widerspiegelte eine zunehmend restriktivere Haltung der Behörden gegenüber Ausländerinnen und Ausländern. Unter dem Schlagwort der «Überfremdung» schränkte der Bund die freie Niederlassung und die berufliche Mobilität der ausländischen Wohnbevölkerung immer mehr ein.

Arbeitsmigration nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach 1947 warben die Unternehmen in der Schweiz vermehrt Arbeiterinnen und Arbeiter aus Italien und anderen Nachbarländern an, um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken. Die Gastarbeiterinnen und -arbeiter sollten nach einer bestimmten Zeit wieder in ihr Herkunftsland zurückkehren.

Die Industrie und das Gewerbe waren auf diese Arbeitskräfte angewiesen. Gleichzeitig befürchteten die Gewerkschaften, dass die tiefen Löhne der Gastarbeiter die Löhne der Schweizerinnen und Schweizer unter Druck setzen könnten. Fremdenfeindliche Bewegungen wie die Nationale Aktion heizten die Debatte über die «Überfremdung» an und reichten ausländerfeindliche Initiativen ein.

Eine zentrale Rolle bei der Regulierung der Einwanderung ausländischer Arbeitskräfte nach dem Zweiten Weltkrieg spielten das Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (1870-1998) und seine Nachfolgeorganisationen im Wirtschaftsministerium.

Asyl nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden viele Flüchtlinge aus Ländern, die in Kriege verwickelt waren oder in denen bürgerkriegsähnliche Verhältnisse herrschten, Aufnahme in der Schweiz – so etwa aus Ungarn (1956), Tibet (1963) oder Kambodscha und Vietnam (1979-1982). Die eher wohlwollende Haltung gegenüber den Asylbewerbern änderte sich, als ab den 1980er-Jahren Flüchtlinge aus der Türkei, Sri Lanka sowie arabischen, afrikanischen und südosteuropäischen Ländern einreisten. Ihren Höhepunkt erreichte die Zahl der Asylsuchenden während der Konflikte im ehemaligen Jugoslawien in den 1990er-Jahren.

Im Beständen des Delegierten für das Flüchtlingswesen (1945-1989) und der verschiedenen Bundesämtern vor allem im Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement gibt es umfangreiche Unterlagen zum Thema Flüchtlinge.

Umfangreiche Bundeskompetenzen

Das Schweizerische Bundesarchiv verfügt über grosse Bestände zu den Themen Einwanderung und Asyl. Die Unterlagen decken den gesamten Zeitraum seit der Gründung des Bundesarchivs 1798 ab und sind in mehreren Departementen und Ämtern entstanden. Die Grösse der Bestände erklärt sich dadurch, dass der Bund in diesem Bereich über umfangreiche Kompetenzen verfügt.

So bestimmt er in zivil- und bürgerrechtlichen Angelegenheiten (Niederlassung, Eheerlaubnis, Einbürgerung) und entscheidet über die Aufnahme und die Ausweisung von Flüchtlingen. Für die Fürsorge und das Aushandeln von Staatsverträgen (1900-2012) sind das Innen- und das Aussenministerium zuständig, für Bürgerrechtsfragen, die Überwachung und Ausschaffungen das Justiz- und Polizeidepartement.

Für den Zeitraum von 1848 bis 1930 sind die bedeutendsten Unterlagen in den Beständen Polizeiwesen (1713-1975) und Justizwesen (1798-1985) sowie je nach Fragestellung in Landesverteidigung (1848-1950) und Auswärtige Angelegenheiten (1848-1895) abgelegt.

Tipps zur weiteren Recherche

  • Historische Lexikon der Schweiz mit einem Artikel zur Einwanderung.
  • Staatsarchive der Kantone: Viele Unterlagen zum Thema Einwanderung und Asyl befinden sich in den Beständen der Polizei (Fremdenpolizei, Kontrolle und Unterbringung von Flüchtlingen), der Direktionen für Inneres oder «Politisches» (Einbürgerung, Unterstützungsleistungen für mittellose Ausländerinnen und Ausländer sowie Flüchtlinge) sowie der Arbeitsämter (Arbeitsbewilligung etc.).
  • Schweizerischer Gewerkschaftsbund sowie Einzelgewerkschaften: Umfangreiche Unterlagen zur Ausländer und Arbeitsmarktpolitik.
  • Archiv für Zeitgeschichte an der ETH Zürich: Archive des Schweizerischen Handels- und Industrievereins («Vorort», heute Economiesuisse) und des Schweizerischen Arbeitgeberverbands; Archiv von Valentin Oehen (bedeutender Protagonist der neueren Überfremdungsbewegung).
  • Schweizerisches Sozialarchiv in Zürich: Regionale Gewerkschaftsarchive und das Privatarchiv der «Federazione delle Colonie Libere Italiane in Svizzera» (älteste noch bestehende Emigrantenorganisation der Schweiz).

Publikationen des Bundesarchivs

Arlettaz, Gérald und Silvia, Les initiatives populaires liées à l'immigration et à la présence étrangères, in: Werkstatt Bundesverfassung (PDF, 22 MB, 04.08.2014): Kommentare und Inventar zur Geschichte der schweizerischen Bundesverfassung 1848-1998, hg. vom Schweizerischen Bundesarchiv, Bern 1998, S. 89-140.

Arlettaz, Gérald und Silvia, Les Chambres fédérales face à la présence et à l'immigration étrangères (1914-1922), in: Studien und Quellen, Bde. 16/17, hg. vom Schweizerischen Bundesarchiv, Bern 1990-1991, S. 9-155.

Cerutti, Mauro, Un secolo di emigrazione italiana in Svizzera (1870-1970), attraverso le fonti dell'Archivio federale, Studien und Quellen, Bd. 20, Bern 1994, S. 11-104.

Das Asyl in der Schweiz nach den Revolutionen von 1848, Studien und Quellen Bd. 25, hg. vom Schweizerischen Bundesarchiv, Bern 1999.

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Letzte Änderung 04.05.2016

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