Die Schweizer Vertretungen im Ausland

Dass der Bund die Interessen der Schweiz und ihrer Bürgerinnen und Bürger im Ausland vertreten soll, wurde in der Bundesverfassung von 1848 festgeschrieben. Aktuell verfolgen über 170 Schweizer Vertretungen im Ausland das Geschehen vor Ort, pflegen Kontakte mit Regierungsstellen und fördern den Austausch auf kultureller, sportlicher und wissenschaftlicher Ebene.

Aussenpolitik wird Bundessache

Mit der Bundesverfassung von 1848 erhielt der Bund die Kompetenz, die Interessen der Schweiz im Ausland zu wahren. Im gleichen Jahr wurde das Eidgenössische Politische Departement (EPD) gegründet. Sein erster Vorsteher war Bundesrat Jonas Furrer (1848-60). Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs wechselten die Vorsteher jährlich; sie bekleideten gleichzeitig das Amt des Bundespräsidenten. Ausnahmen bildeten die Jahre 1887-1892 unter Bundesrat Numa Droz und die Jahre 1893-1896 unter Bundesrat Adrien Lachenal. Unterlagen hierzu finden sich in den Beständen Auswärtige Angelegenheiten (1518-1971) und Eidgenössisches Politisches Departement (1848-1962).

Erste Schweizer Vertretungen im 19. Jahrhundert

Zunächst begnügte sich die Schweiz mit den bereits bestehenden Vertretungen in Paris (1798-1995) und Wien (1798-2000). 1860 ernannte der Bundesrat einen Gesandten für das Piemont mit einer entsprechenden Schweizer Vertretung in Turin (1848-1984). Berlin (1866-1977) kam 1867 dazu. 1891 folgten London (1846-2000) und Buenos Aires (1855-1995). Grund für die Einrichtung neuer Vertretungen waren die italienischen und preussischen Kriege, intensivierte Handelsbeziehungen und die Schweizer Auswanderung nach Südamerika.

Weitere Unterlagen zu den ersten Vertretungen gibt es im Bestand Auswärtige Angelegenheiten (1518-1971).

Ausbau der Schweizer Vertretungen im 20. Jahrhundert

Eine erste Ausbauphase setzte nach dem Ersten Weltkrieg ein. Unter Bundesrat Giuseppe Motta, der zwischen 1920 und 1940 dem EPD vorstand, wurden zahlreiche neue Vertretungen eröffnet; beispielsweise in Belgrad (1908-1996), Athen (1919-2001) und Ankara (1919-1992). Weitere Informationen dazu finden sich im Privatnachlass Giuseppe Motta (1834-1990) und in den Handakten Giuseppe Motta (1909-1939).

Eine zweite Ausbauphase folgte nach 1945: In den durch die Alliierten befreiten Staaten sowie in den unabhängig gewordenen Staaten eröffnete die Schweiz diplomatische Vertretungen. Bis 1990 kamen laufend neue Vertretungen hinzu – unter anderem als Reaktion auf die gesteigerte wirtschaftliche und internationale Vernetzung der Schweiz.

Aktuell ist die Schweiz im Ausland mit rund 170 offiziellen Vertretungen präsent. Mit dem Ausbau des Schweizer Botschaftsnetzes nahmen auch deren Aufgaben zu, beispielsweise beim Schutz schweizerischer Interessen von Firmen oder bei der Unterstützung von Privatpersonen bei der Restitution von Vermögen. Die politischen und militärischen Berichte der Schweizer Vertretungen geben einen guten Überblick über die Schwerpunktsetzungen und die jeweils aktuellen Diskussionen (1848-1965, 1966-78 und 1979-1990).

Anpassung des Schweizer Vertretungsnetzes seit 1990

Seit 1990 ist die Zahl der offiziellen Vertretungen der Schweiz in den Vereinigten Staaten und in Westeuropa reduziert worden, dies insbesondere aufgrund der erleichterten Reisemöglichkeiten sowie der technischen und technologischen Fortschritte beim Angebot der konsularischen Dienstleistungen. Strukturellen Veränderungen nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Zerfall Jugoslawiens führten zur Eröffnung neuer Vertretungen in Zentral- und Osteuropa.

Das Vertretungsnetz der Schweiz wurde auch in den Haupt- und Grossstädten der Schwellenländer erweitert. Im Zuge der Globalisierung und des intensiven Austauschs mit neuen Partnern, namentlich in Asien, wurden seit der Mitte des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts weitere Vertretungen eröffnet.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) analysiert die Funktion und die Bedeutung des Aussennetzes laufend. Es nimmt die nötigen Anpassungen aufgrund der in der aussenpolitischen Strategie festgelegten Schwerpunkte und des Budgetrahmens vor.

Tipps zur weiteren Recherche

  • Historisches Lexikon der Schweiz mit Artikeln u.a. zur Aussenpolitik und Diplomatie.
  • Webseite des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten, Vertretungen und EDA-Geschichte: Weitere Informationen zum Thema Interessenvertretung und Beziehungspflege der Schweiz im Ausland.
  • Diplomatische Dokumente der Schweiz mit zahlreichen digitalisierten und thematisch aufbereiteten Dokumenten zur schweizerischen Aussenpolitik seit 1848 in der Datenbank Dodis, darunter auch solche von schweizerischen Vertretungen im Ausland (Karte). In Dodis befinden sich zudem Informationen zu den Diplomaten der jeweiligen Vertretungen.

Letzte Änderung 25.01.2018

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