Schweizer Soldaten in Afrika

Prospekt gegen die Fremdenlegion, in: BAR J II 188 / Nr. 1.

Ein junger weisser Mann zieht sich mit letzter Kraft über den Boden. Er ist am Verdursten. Mitleidlos blickt ein schwarzer Soldat auf ihn herab. Verkehrte Welt! Auf der Rückseite des Prospekts heben Fremdenlegionäre im Wüstensand ein Grab aus, vielleicht gar für den jungen Mann? Der Prospekt wurde um 1963 vom privaten «Komitee gegen den Eintritt junger Schweizer in die Fremdenlegion» produziert. Unmissverständlich ist die Warnung: «Wer sich der eisernen Disziplin nicht fügt, wird 'umerzogen'. Hundertfache Berichte von Rückkehrern bestätigen, dass dort mit Peitsche, Folter und Nahrungsentzug jeder Widerstand gebrochen wird.»

Zwischen 1949 und 1959 schlossen sich der legendenumrankten französischen Fremdenlegion, die vor allem in Afrika eingesetzt wurde, jährlich mehr als zweihundert Schweizer an. Sie flohen meist vor privaten Problemen und wirtschaftlicher Not. Die Schweiz war von Anfang an eng mit der 1831 gegründeten Kolonialtruppe verbunden, weil ihre Soldaten in der Frühneuzeit in französischen Diensten gestanden hatten. Seit 1927 allerdings verbot das schweizerische Militärstrafgesetz die so genannten fremden Dienste, und in den fünfziger Jahren zeigte sich das Militärdepartement besorgt, dass die Legion die Wehrkraft schwäche.

Das Komitee wurde freilich vom Bund nur bescheiden unterstützt. 1959 erklärte ein Sprecher des Militärdepartements die Kampagne gegen die Fremdenlegion als Beihilfe zur Fahnenflucht aus der französischen Armee, und Frankreich protestierte, als das Komitee seine Prospekte an der Mustermesse Basel und an der Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung (Olma) auflegte.

Autor: Urs Hafner

Weiterführende Informationen

Literatur

https://www.bar.admin.ch/content/bar/de/home/service-publikationen/publikationen/geschichte-aktuell/schweizer-soldaten-in-afrika.html