Die Genfer Konventionen

Vor 150 Jahren, am 22. August 1864, wurde die erste Genfer Konvention „betreffend die Linderung des Loses der im Felddienst verwundeten Militärpersonen" unterzeichnet. Das Originaldokument von 1864, die 1949 abgeschlossenen und bis heute gültigen Konventionen, sowie einige weitere Unterlagen zum Thema, wurden vom Schweizerischen Bundesarchiv (BAR) digitalisiert und sind nun auf Wikimedia Commons zugänglich.

Titelblatt der ersten Genfer Konvention von 1864.
Titelblatt der ersten Genfer Konvention, 22. August 1864

Im Buch mit dem Titel „Un souvenir de Solférino" („Eine Erinnerung an Solferino"), welches 1862 erschienen ist, veröffentlichte der Genfer Geschäftsmann Henry Dunant seine Beobachtungen als Zeuge der verlustreichen Schlacht von Solferino am 24. Juni 1859. Neben der Schilderung seiner Erlebnisse, unterbreitete er darin auch zwei Vorschläge für den Schutz von Kriegsversehrten.
Erstens sollte das medizinische Personal auf dem Schlachtfeld als neutraler Akteur anerkannt werden, um die ungehinderte Versorgung der Verletzten zu ermöglichen. Zweitens schlug er vor, in jedem Land Hilfsgesellschaften für die Pflege Kriegsverwundeter zu gründen.

Dunants Ideen fanden europaweit viel Beachtung und führten schliesslich 1863 zur Gründung des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK). 

Die erste Genfer Konvention und ihre Weiterentwicklung

In der Folge organisierte das IKRK zahlreiche Konferenzen und trieb die Entwicklung des humanitären Völkerrechts voran. Eine Diplomatenkonferenz im August 1864, welche vom Bundesrat auf Anregung des IKRK in Genf einberufen wurde, führte schliesslich zur Unterzeichnung der ersten Genfer Konvention „betreffend die Linderung des Loses der Verwundeten und Kranken der bewaffneten Kräfte im Felde". Das IKRK strebte danach, den Geltungsbereich des Abkommens stets an die neuen Herausforderungen anzupassen. So wurde die Genfer Konvention 1899 auf den Seekrieg ausgedehnt und 1929 die zweite Genfer Konvention über die Behandlung von Kriegsgefangenen abgeschlossen.

Unter dem Eindruck der Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs lud der Bundesrat 1948 in Genf erneut zu einer Diplomatenkonferenz ein, um die Abkommen zu diskutieren und den Erfahrungen des Krieges anzupassen. Dies führte zur Überarbeitung der existierenden Abkommen, zur Erweiterung um die Konvention zum Schutz der Zivilbevölkerung und der Opfer innerstaatlicher Konflikte sowie zur Konvention mit Regeln für die bewaffnete Auseinandersetzung zur See. Die 1949 aus dieser Arbeit resultierenden vier Abkommen traten ein Jahr später in Kraft und sind bis heute gültig.

Die vier Konventionen wurden 1977 bestätigt und um zwei Zusatzprotokolle erweitert, welche unter anderem weitere Regeln für eine humanitäre Kriegsführung enthielten. In einem weiteren Zusatzprokoll, hinzugekommen im Jahre 2005, wird der rote Kristall, neben dem roten Kreuz, dem roten Halbmond und dem (ausschliesslich vom Iran verwendeten) roten Löwen mit roter Sonne, als viertes Schutzzeichen angenommen. Die Genfer Konventionen sind von 196 Staaten unterzeichnet (Stand Juni 2014).

Aufbewahrung im Bundesarchiv

Die Schweiz ist Depositärstaat der Genfer Konventionen und daher unter anderem für die Aufbewahrung der Originaldokumente zuständig. Das Bundesarchiv hat das Original von 1864, die 1949 abgeschlossenen und bis heute gültigen Konventionen sowie weitere Unterlagen zum Thema digitalisiert und auf Wikimedia Commons veröffentlicht.

Dokumente im Bundesarchiv zum Thema

Weitere Dokumente zum Thema

Quellen

Weiterführende Informationen

Kontakt

Schweizerisches Bundesarchiv

Archivstrasse 24
3003 Bern

Tel.
+41 58 462 89 89
Fax
+41 58 462 78 23

E-Mail

Öffnungszeiten Lesesaal

Di-Do, 09.00-19.00 Uhr

Details und Schliessungen

Kontaktinformationen drucken

Karte

Schweizerisches Bundesarchiv

Archivstrasse 24
3003 Bern

Auf Karte anzeigen

Kontaktinformationen drucken

https://www.bar.admin.ch/content/bar/de/home/recherche/suchen/suchmaschinen-portale/wikimedia/die-genfer-konventionen.html