Die Schlacht von Solferino vom 24. Juni 1859 und Henry Dunant

„Ici est un soldat, entièrement défiguré, dont la langue sort démesurément de sa mâchoire déchirée et brisée; il s'agite et veut se lever, j'arrose d'eau fraîche ses lèvres desséchées et sa langue durcie; saisissant une poignée de charpie, je la trempe dans le seau que l'on porte derrière moi, et je presse l'eau de cette éponge dans l'ouverture informe qui remplace sa bouche." So schilderte der Genfer Kaufmann Henry Dunant (1828-1910) drei Jahre nach der Schlacht von Solferino in „Un souvenir de Solferino" das Leid der 40'000 Verwundeten nach dem Sieg der italienischen und französischen Truppen über die Österreicher.

Aus geschäftlichen Gründen war Henry Dunant im Frühsommer 1859 in das italienische Kriegsgebiet gereist und Zeuge der dramatischen Folgen der Schlacht geworden. Erschüttert über das Ungenügen der Sanitätsdienste, organisierte er die Pflege der Verwundeten. Unter dem Motto „Siamo tutti fratelli" gewann er rasch die Unterstützung der Bevölkerung - italienische, französische sowie österreichische Verwundete wurden in den folgenden Tagen gleichermassen gepflegt.

1862 veröffentlichte Henry Dunant seine eingangs erwähnte Schrift. Darin schilderte er jedoch nicht bloss seine Erlebnisse, sondern er stellte auch eine Frage von ungeahnter Tragweite: „N'y aurait-il pas moyen de constituer des sociétés de secours dont le but serait de faire donner des soins aux blessés, en temps de guerre, par des volontaires zélés, dévoués, et bien qualifiés pour une pareille œuvre?"

Dunants Erinnerungen fanden in ganz Europa Beachtung. Auch Guillaume-Henry Dufour (1787-1875), der als Schweizer General ein hohes Ansehen genoss, wurde auf den Genfer aufmerksam. Zusammen mit dem Juristen Gustave Moynier (1826-1910) und den Chirurgen Louis Appia (1818-1898) und Théodore Maunoir (1806-1869) gründeten Dunant und Dufour am 17. Februar 1863 das „Comité international de secours aux militaires blessés".

Mit der Absicht, die Bildung nationaler Hilfsgesellschaften zu veranlassen und der Sanitätshilfe im Krieg einen neutralen Status zu verleihen, lud das Komitee am 26. Oktober 1863 zu einer Konferenz in Genf, an der 16 Regierungen und vier private Organisationen teilnahmen. Die Beschlüsse dieser Konferenz und der vom Schweizer Bundesrat einberufenen nachfolgenden Konferenz im August 1864 führten zur Unterzeichnung der „Genfer Konvention betreffend die Linderung des Loses der im Felddienst verwundeten Militärpersonen" durch zwölf Staaten. Mit dem „Comité international de secours aux militaires blessés" (seit 1875 „Comité international de la Croix-Rouge") legten die Initianten den Grundstein für eine Institution, die die Wahrnehmung der Schweiz im Ausland bis heute mitprägt.

Die ausgewählten Dokumente spiegeln die Wahrnehmung eines schweizerischen Divisionsarztes, der zu den Sanitätsanstalten des italienischen Kriegsschauplatzes von 1859 abkommandiert worden war und geben Einblick in die Korrespondenz zwischen Vertretern des Komitees, der Schweizer Regierung und von Militärangehörigen über die Konferenzen 1863 und 1864 in Genf. Die Dokumente sind frei zugänglich und können in den Lesesälen des Schweizerischen Bundesarchivs im Original eingesehen werden.

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